Von Kabul nach Düsseldorf Früher trug ich Burka heute bin ich Model

Text: Julia Dombrowsky

 

Zohre Esmaeli (27) ist das einzige afghanische Model der Welt. Als Kinoh sie vor den Taliban nach Deutschland. In CLOSER erzählt sie ihre erstaunliche Geschichte.

 

Zohre Esmaeli ist erst 27, sie hat aber schon gefühlte drei Leben hinter sich. Im ersten war sie ein Kind in Afghanistan. Im zweiten eine Asylantin in Deutschland. Im dritten ein internationales Topmodel. In CLOSER erzählt die Düsseldorferin von ihrem Weg aus afghanischem Staub auf die Laufstege dieser Welt. 90er-Jahre, Zohre wächst in Kabul auf, ohne Burka darf sie nie das Haus verlassen. „Ein Model-Dasein war ganz weit weg“, erzählt sie CLOSER. Nicht nur, weil Models in Afghanistan verpönt sind, Zohre wird auch für unattraktiv gehalten. „Ich war zu dünn, zu groß, meine Lippen zu dick, die Nase zu klein. Deswegen habe ich mir nachts eine Wäscheklammer draufgeklemmt, um sie zu verlängern.“1999 werden die Taliban mächtiger und somit gefährlicher – Familie Esmaeli beschließt, nach Deutschland zu flüchten. Menschenschlepper schmuggeln die achtköpfige Verwandtschaft aus dem Land, über 6000 Kilometer ist der Fluchtweg lang. Sechs Monate sind sie unterwegs, lange Strecken nur zu Fuß. Eine unglaubliche Odyssee! In Deutschland kommt Zohre als Asylantin an, mit 13 Jahren. Je älter sie wird, desto strenger wird ihre Familie. „Nicht schwimmen, nicht telefonieren und Brüder, die über mich wachten“, erinnert sich die 27-Jährige. Für das neugierige Mädchen unerträglich. Heimlich beginnt sie mit 16 eine Beziehung zu einem Deutschen. Dann der Wendepunkt: Eine Frau fragt Zohre auf der Straße, ob sie nicht modeln wolle. Mithilfe ihres Freundes taucht Zohre unter, beginnt, als Model Geld zu verdienen. Erfolgreich. Ihr exotischer Look führt sie nach Rom, London, New York. Sie wird für die „Vogue“ fotografiert, lernt den Designer Roberto Cavalli und US-Sängerin Beyoncé kennen – doch egal, wie glamourös sie lebt, ihre Vergangenheit kann sie nie völlig ablegen. „Models sollen auf Knopfdruck lachen, das fällt mir schwer“, gibt sie gegen-über CLOSER zu. Inzwischen hat sich Zohre zwar mit ihrer Familie versöhnt, doch stolz auf ihren Job ist ihr Vater nicht. „Die Welten zwischen ihm und dem Fashion-Business könnten unterschiedlicher nicht sein.“ Die Entfremdung erträgt sie, weil sie heute endlich glücklich ist. „Afghanistan ist meine Heimat, aber Deutschland mein Zuhause“, sagt sie. „Hier bin ich frei.“

Aus der Burka auf den Laufsteg

Text: Ulli Wright; Fotos: privat, Zohre Esmaeli

 

Am 7. Dezember kommt Topmodel Zohre Esmaeli im Rahmen des „Zukunftsforums Arbeitsmarkt 2016“ ins WIFI nach Linz und wird dort einen Vortrag über multikulturelle Zusammenarbeit in Unternehmen halten. Im Interview erzählt die 27-jährige Schönheit, warum Modeln alleine schon lange nicht mehr ihre Erfüllung ist.

 

Vom Flüchtlingskind zum Topmodel: Im Alter von 13 Jahren flüchtete Zohre Esmaeli mit ihrer Familie von Afghanistan nach Deutschland, wo sie bei einem Einkaufsbummel als Model entdeckt wurde. Ein Testshooting wurde zum Erfolg und der Start in eine großartige Modelkarriere. Es folgten Aufträge in New York, Paris und Mailand und Zohre war in sämtlichen Mode- und Life-Style-Magazinen wie Vogue, Elle, Madame, Instyle oder Marie Claire zu sehen. Doch auf ihrem Weg in die Freiheit musste die junge Frau nicht nur aus ihrer Heimat, sondern auch vor ihrer Familie flüchten.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Sie sind in Kabul unter dem Terrorregime der Taliban aufgewachsen und mit 13 Jahren mit Ihrer Familie aus der Heimat geflüchtet. Durften Sie in Afghanistan zur Schule gehen?

Zohre Esmaeli: Während die Taliban regierten, wurden die Schulen geschlossen. Kinder übernehmen in Afghanistan früh Verantwortung. Meine Brüder haben zum Beispiel freiwillig auf der Straße Kaugummis und Zigaretten verkauft, um meine Familie finanziell zu unterstützen. Ich musste damals viel im Haushalt helfen. Zum Glück konnte ich mich bei meinem Vater durchsetzen und ein Lehrer unterrichtete mich mehrmals die Woche zu Hause.

 

Waren Sie seit Ihrer Flucht wieder einmal in Afghanistan?

Nein, leider nicht.

 

Die Flucht nach Deutschland dauerte sechs Monate und war sehr kräfteraubend. Haben Sie sich von Anfang an in Deutschland wohl gefühlt?

Wir hatten auf der Flucht ein Ziel vor Augen, und das war Deutschland. Das Land hatte in Afghanistan einen guten Ruf, es hieß, man könnte dort frei und sicher leben. Natürlich war es am Anfang schwierig und ich habe mich wegen der Sprachbarriere nicht immer wohl gefühlt. Die ersten drei bis vier Jahre waren nicht einfach, dennoch fand und finde ich es toll, in Deutschland zu sein.

 

Ihre Familie konnte Ihren Freiheitsdrang nicht akzeptieren. Als Sie schon in Deutschland waren, haben Sie Ihre Familie verlassen und sich bei einem Freund versteckt. War das rückblickend gesehen die richtige Entscheidung?

Rückblickend war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung und ich stehe zu hundert Prozent dahinter. Damals war ich mir allerdings nicht sicher, ob es richtig war.

 

Haben Sie heute wieder Kontakt zu Ihrer Familie? Wenn ja, sind Ihre Eltern, Geschwister stolz auf Sie?

Ja, ich habe Kontakt zu meiner Familie. Ich kann nicht erwarten, dass sie stolz auf mich sind, weil wir sehr unterschiedliche Vorstellungen von Stolz haben. Ich bin jedoch glücklich, dass sie das, was ich mache, akzeptieren.

 

Mit 16 Jahren wurden Sie als Model entdeckt. Ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen?

Als ich 16 Jahre alt war, wollte ich eigentlich Flugzeugingenieurin werden. Es war nie mein Traum, Model zu werden, weil ich gar nicht wusste, was ein Model ist. In Afghanistan gibt es diesen Job nicht. Da funktionierte Werbung nur über Mundpropaganda, und auch in Magazinen gab es keine Kleidungspräsentation an Menschen.

 

Modeln hat ein Ablaufdatum. Was wollen Sie nachher machen?

In Deutschland kann man zum Glück sehr lange als Model arbeiten, vor allem, wenn man Jobs im kommerziellen Bereich hat. Aber Modeln alleine erfüllt schon lange nicht mehr mein Leben. Ich engagiere mich in sozialen Projekten wie dem Verein „Afghanistan, Hilfe, die ankommt e.V.“ und habe einen „Zohre Esmaeli-Fond“ unter der Schirmherrschaft der Bürgerstiftung Berlin gegründet. Darunter läuft unter anderem das Projekt ‚Culture Coaches‘“, das künftig die Integration von Immigranten durch beiderseitiges kulturelles Verständnis erleichtern soll. Außerdem gründe ich gerade mein eigenes Unternehmen.

 

Wie geht es Ihnen, wenn Sie von den Schicksalen der vielen Flüchtlinge, die derzeit weltweit unterwegs sind, hören?

Es erinnert mich natürlich an meine eigene Zeit. Welche Hoffnungen und Schmerzen es mir bereitet hat, meine Vergangenheit los- und meine Heimat zurücklassen zu müssen, auf dem Weg in ein neues Leben.

 

Sie sind Anti-Diskriminierungs-botschafterin in Deutschland. Wie kann Ihrer Meinung nach Integration von beiden Seiten her gelingen?

Man muss die Flüchtlinge und die Gesellschaft viel intensiver auf ein Zusammenleben vorbereiten. Beide Seiten müssen sich beteiligen, um ein Verständnis füreinander zu entwickeln. Eine Lockerung der Arbeitserlaubnis würde vielen Flüchtlingen bei der Integration helfen. Davon würden beide Seiten profitieren. Immigranten müssen gleiche Chancen haben, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Auf der anderen Seite müssen sie aber auch bereit sein, sich aktiv in der Gesellschaft zu beteiligen.

 

Am 7. Dezember werden Sie beim „Zukunftsforum Arbeitsmarkt“ in Linz einen Vortrag über multikulturelle Zusammenarbeit im Unternehmen halten. Wie kann diese gelingen?

Multikulti bedeutet für mich Verständnis, Toleranz und Akzeptanz. Wenn man diese Punkte in seinen Arbeitsalltag integriert, gelingt auch eine multikulturelle Zusammenarbeit. Mehr verrate ich in meinen Vorträgen.

 

Haben Sie nach Ihrer schwierigen Kindheit und Jugend Ihr Glück gefunden?

Glück kommt nicht von allein,  aber ich tue etwas dafür und bin sehr glücklich mit dem, was ich mache.

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Früher trug ich Burka heute bin ich Model

Zohre Esmaeli (30) ist das einzige afghanische Model der Welt.  Als Kind floh sie vor den Taliban nach Deutschland. Nun erzählt sie ihre erstaunliche Geschichte

 

Zohre Esmaeli ist erst 30 Jahre alt, hat aber gefühlte drei Leben hinter sich. Im ersten war sie ein Kind in Afgha­nistan. Im zweiten eine Asylantin in Deutschland. Im dritten ein internationales Topmodel. Nun erzählt die Düsseldorferin von ihrem langen Weg aus afghanischem Staub auf die Laufstege dieser Welt. 90er­Jahre, Zohre wächst in Kabul auf, ohne Burka darf sie nie das Haus verlassen. „Ein Model­Dasein war weit weg“, erzählt sie. Nicht nur, weil Models in Afghanistan verpönt sind, Zohre wird auch für unattraktiv gehalten. „Für eine Afghanin war ich zu dünn, zu groß, meine Lippen zu dick, die Nase zu klein. Deswegen habe ich mir nachts eine Wäscheklammer draufgeklemmt, um sie zu verlängern.“1999 werden die Taliban immer mächtiger – Familie Esmaeli beschließt nach Deutschland zu flüchten. Menschenschlepper schmuggeln die achtköpfige Verwandtschaft aus dem Land, über 6000 Kilometer ist der Fluchtweg lang. Sechs Monate sind sie unterwegs, oft nur zu Fuß. Eine unglaubliche Odyssee! In Deutschland kommt Zohre als Asylantin an, mit 13 Jahren. Je älter sie wird, desto strenger kontrolliert sie ihre Familie. „Nicht schwimmen, nicht telefonieren, Brüder, die über mich wachten“, erinnert sie sich. Für das neugierige Mädchen unerträglich. Heimlich beginnt sie mit 16 eine Beziehung zu einem Deutschen. Dann der Wendepunkt:  Zohre wird auf der Straße als Model entdeckt. Mithilfe ihres Freundes taucht sie unter, beginnt, mit dem Modeln Geld zu verdienen. Ihr exotischer Look führt sie nach Rom, London, New York. Sie wird für die „Vogue“ fotografiert, lernt Roberto Cavalli und US­Sängerin Beyoncé kennen – doch egal, wie glamourös sie lebt, ihre Vergangenheit kann sie nie ablegen. „Models sollen auf Knopfdruck lachen, das fällt mir schwer“, gibt sie zu. Um anderen Flüchtlingen zu helfen, hat sie das Integrationsprojekt „Culture Coaches“ ins Leben gerufen (mehr auf better­place.org). Außerdem hat sie eine Modekollektion designt, die Afghaninnen Arbeit verschafft. Zohre selbst hat sich inzwischen mit ihrer Familie versöhnt, doch stolz auf ihren Job ist ihr Vater nicht. „Die Welten zwischen ihm und dem Fashion­Business könnten unterschiedlicher nicht sein.“ Die Entfremdung erträgt Zohre, weil sie endlich glücklich ist. „Afghanistan ist meine Heimat, aber Deutschland mein Zuhause“, sagt sie. „Hier bin ich frei.“

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Vom Flüchtlingskind zum Top-Model

Quelle: Tagesspiegel.de

 

Wie weit der Weg in die Freiheit wirklich war, lassen die Bilder in Zohre Esmaelis Buch erahnen. Eines zeigt sie als 13-Jährige, schwarz verschleiert in Kabul. Auf einem anderen ist sie als internationales Top-Model zu sehen, etwa zehn Jahre später bei einer Schmuckpräsentation. Zwischen beiden Welten liegen eine Flucht unter unglaublichen Strapazen, die isolierte Zeit im Asylbewerberheim, die ersten schweren Schulerfahrungen mit der garstigen Dorfjugend in der Nähe von Kassel und schließlich die Emanzipation vom Familien-Clan.

Kein Wunder, dass sie stark ist nach dieser unglaublichen Entwicklung. Mit 30 hat sie es geschafft, war in der „Vogue“ und der „Cosmopolitan“ abgebildet, ist aktuell in der britischen „Glamour“ zu bewundern, sie behauptet sich in der harten Modelbranche, arbeitet an ihrer ersten Handtaschenkollektion. Außerdem engagiert sie sich für Flüchtlinge.

Culture Coaching soll bei der Orientierung helfen

Gerade hat sie einen Fonds gestiftet und verwirklicht bei der „Bürgerstiftung Berlin“ ihr Projekt „Culture Coaching“. Es soll Flüchtlingsfamilien helfen, sich in einer für sie komplett fremden und meist völlig unverständlichen Welt zurecht zu finden. Denn Zohre Esmaeli weiß aus Erfahrung, worauf es ankommt, wie man sich fühlt, wie wenig man weiß von den Gepflogenheiten in Deutschland.

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Flucht für ein freies Leben

Quelle: © Hannes Casper

Als Zohre 16 Jahre alt ist, hat sie ein einschneidendes Erlebnis. Beim Einkaufen wird sie von der damaligen Miss Hessen auf ihr Aussehen angesprochen. Dass sie hübsch sei und dass sie mit ihrem Aussehen Geld verdienen könne. Es dauert noch eine Weile, bis es dazu kommt. Vorher flüchtet Zohre von Zuhause, zieht in ein Mädchenwohnheim und lässt irgendwann von einem Fotografen Bilder von sich machen.

Diese Bilder sind schließlich der Startschuss für ihre Karriere als Model. Heute ist Zohre Esmaeli ein gefragtes Mannequin, hat sich für Modestrecken in Magazinen wie Elle, Marie Claire, Madame oder Vogue fotografieren lassen, hat Mode von internationalen Designern über Laufstege getragen und lebt ein Leben zwischen New York, Mailand und Paris. Und für sie vielleicht das Allerwichtigste: Sie hat sich wieder mit ihrem Vater versöhnt. Der akzeptiert es mittlerweile, dass sie sich manchmal mit äußerst wenig Stoff bekleidet in der Öffentlichkeit zeigt.

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Sie will anders und in Freiheit leben

Quelle: Stuttgarter-Zeitung.de

In Afghanistan war Zohre Esmaeli den Gesetzen der Taliban unterworfen. Heute ist sie ein gefragtes Model. Doch auf ihrem Weg zur Freiheit und Selbstbestimmung musste die junge Frau nicht nur aus ihrer Heimat, sondern auch vor ihrer Familie flüchten.

In Kabul durfte Zohre Esmaeli keine Schule besuchen, in der Öffentlichkeit lachen durfte sie gleich gar nicht. Bereits als junges Mädchen musste sie ihren Körper komplett verschleiern. „Das Schlimmste war für mich diese Unterdrückung, die von der Kultur und der Gesellschaft ausgeht. Es war wie in einem Gefängnis“, erzählt Zohre Esmaeli im Telefongespräch. Wer Glück hat, kann die 28-Jährige zwischen zwei Terminen für ein Interview auf dem Handy erwischen. Zohre Esmaeli ist viel beschäftigt. Sie lebt heute in Düsseldorf und läuft als einziges bekanntes afghanisches Model über die Laufstege der Welt. In Talkshows erzählt sie, wie sie als „Model aus der Burka“ bekannt wurde und wie sie nicht nur aus ihrer Heimat, sondern auch vor ihrer Familie floh.